Hüter des Ursprungs I
Vickys Soma
Vivian
Sie hatte lange genug überlegt. Es gab keinen anderen Weg, bald würde es wieder soweit sein und sie wollte wissen, warum und weshalb und überhaupt...
Vicky zog schnell Ihre kurze Angorajacke über und ließ unbewusst ein leises Schnurren hören. Früher hatte sie sich einmal gewundert über dieses Phänomen, heute wundert sie nichts mehr, was mit ihr und ihrer Umgebung passierte, das hatte sie sich abgewöhnt. Ihre Mokassins passten zwar nicht ganz zum Outfit, aber sie waren bei weitem die besten Schuhe zum Laufen und wenn nötig, um zu rennen.
Leise klickte das Schloss ein und sie ging mit festem Schritt die Treppe von ihrer Souterrainwohnung hinauf, als ihr einfiel, dass sie das wichtigste vergessen hatte. Sie lief noch einmal zurück und stellte fest, dass sie ganz vergessen hatte zuzuschließen. Jetzt war sie froh wieder umgekehrt zu sein. Schnell schnappte sie sich das kleine Büchlein auf dem Küchenbord und ging zur Tür. Diesmal schloss sie gleich zweimal um und ging mit einem flauen Gefühl im Magen los. Nachdem sie die ersten zwei Stufen hinter sich hatte, hörte sie ein leises klingeln. Das Telefon, sie überlegte kurz und entschied sich dann fürs Weitergehen. Mark konnte genauso gut mit dem Anrufbeantworter reden wie mit ihr, dachte sie schnippisch und ging endgültig die Treppe rauf.
Vicky konnte sehr eigensinnig sein und wenn sie sich etwas in ihren hübschen Kopf setzte, konnte man auch darauf wetten, dass sie es ausführte. Egal welche Konsequenzen es nach sich zog.
Das wusste auch Mark und er hätte gar nicht erst den Versuch gemacht sie aufzuhalten, denn er hoffte nur allzu sehr, dass sie bald herausfinden würde, was mit ihr los ist. In letzter Zeit benahm sich Ann - Vivian Coulther, wie sie richtig hieß, sehr seltsam. Und falls es sich nicht bald bessern würde, müsste er sich ernsthaft mit Vicky über eine Behandlung im Institut unterhalten.
Mark wusste, dass er im Institut der Kauz genannt wurde, auch wenn es keiner zugeben würde. Sogar Vicky nannte ihn des Öfteren liebevoll: "Mein Käuzchen" aber das war etwas anderes. SIE war etwas Anderes, wenn er wüsste wie Recht er mit diesen Gedanken hatte, er würde nicht so fröhlich losplappern als der Anrufbeantworter losging.
“Hallo mein Schmusekätzchen, jetzt habe ich dich wieder verpasst. Ich komme heute so gegen 21.14 Uhr und 17 Sekunden, stell derweil schon mal den Sekt kalt es gibt etwas zu feiern. Also bis dann mein Schatz, Küsschen dein Käuzchen.“
Schmunzelnd legte er den Hörer auf, er konnte sich das Gesicht von Vicky beim Abhören dieser Nachricht lebhaft vorstellen. Sie wird die ersten zehn Minuten wütend durch die Wohnung laufen und dann über den Scherz lachen. So wie er jetzt.
Mark ärgerte sie nur allzu gern mit der angeblichen Liaison, die die anderen immer zwischen ihnen vermuten und dieser Text war Wasser auf ihre Mühlen. In Wirklichkeit waren sie nur sehr gute Freunde, was aufgrund ihrer Interessenunterschiede doch schon fast erstaunlich war. Sie verband etwas, dass stärker war als bloße Freundschaft oder gar Liebe, aber das würden sie noch früh genug erfahren. In der Bücherei war es angenehm warm gegen den kalten Wind, der draußen sein Unwesen trieb. Vicky hatte sich tief über das Buch gebeugt und war so von der Literatur gefesselt, das sie weder bemerkte, dass sie fasziniert beobachtet wurde, noch das sie schon wieder begann leise vor sich hin zu schnurren. Erst als sie von einem Mann im mittleren Alter vorsichtig angestupst wurde und gerade aufbrausen wollte, merkte sie, dass etwas nicht stimmt. Entsetzt blickte sie auf ihre Hände oder das, was einmal ihre Hände waren. Der Mann neben ihr schien aber nichts zu merken, also klappte sie das Buch zu und ging zum Schalter. Sie hätte es wissen müssen, dass es zu spät wird, aber nein sie musste ja unbedingt noch dieses Buch lesen. Die Dame am Schalter schien auch nichts zu merken, doch als Vicky fragen wollte, ob sie das Buch mitnehmen könne, kam nur ein heiseres Krächzen heraus. Jetzt musste alles schnell gehen, sie deutete auf Zettel und Stift und fragte, ob sie dieses Buch auch mit nach Hause nehmen dürfe. Die Dame blickte sie mitleidvoll an, bejahte und wünschte ihr noch gute Besserung. Vicky packte das Buch und stob davon, begleitet von den wissenden Blicken eines Mannes im mittleren Alter.
Die Hüter des Ursprungs II
Marks Chain
Kreuzfahrt oder doch nicht?
Das kann doch nicht wahr sein, gestern war noch alles bestens und heute fühle ich mich wie erschlagen, ging es Mark durch den Kopf.
Sie hatten die erste Nacht auf dem Kreuzfahrtschiff hinter sich. Und Mark versuchte, sich an den gestrigen Tag zu erinnern. Was zum Geier war gestern, warum bin ich so fertig mit der Welt? Mark lag im monströsen Bett in seiner Kabine und schaute sich langsam um. Wo bin ich überhaupt und warum tut mein Rücken so weh? Langsam kamen die Erinnerungen wieder. Mosaikartig setzten sich die Einzelbilder in seinem Kopf wieder zusammen. Die Kapelle, wie sie wunderschön erstrahlte und plötzlich wieder zusammenfiel. Eine Fratze erschien vor seinem inneren Auge und Mark stöhnte auf. Dieses elende Monster, das Vivian so gequält hat. Schlagartig saß Mark in seinem Bett und blickte sich suchend um. "Sieht aus wie eine Schiffskabine" murmelte er vor sich hin, als er das Bullauge entdeckte. Er sah sich weiter um und langsam, ganz langsam tropfte seine Erinnerung in sein Bewusstsein. Höllische Schmerzen am Rücken brannten wieder auf. Dann eine Weile Nichts und auf einmal eine wohltuende Stille, die von einer wunderschönen Frau mit einem betörenden Lächeln beendet wurde.
Bastet! Unwillkürlich begann Mark verzückt zu lächeln und seine Schmerzen waren wieder vergessen.
Plötzlich klopfte es vom Nebenraum und seine Tür flog auf, noch bevor er "Herein" rufen konnte.
In der Tür stand Carlos und Vivian stand auf Zehenspitzen hinter ihm und versuchte, einen Blick auf Mark zu erhaschen.
Carlos lachte schallend los: "Sag mal du schläfst noch?" Vivian stimmte lachend ein: "Du hast doch gerade erst einen 12 Stunden Schlaf hinter dir! Wieso schläfst du schon wieder?" platzte es aus ihr raus.
Mark schaute die Beiden verdutzt an "Was?" stieß er etwas schrill hervor. "Wo sind wir überhaupt?"
Carlos schaute erschrocken zu Vivian und diese schüttelte langsam den Kopf und sah erst zu Mark, dann zu Carlos und wieder zurück zu Mark.
"Ich fass es nicht" stammelte Carlos. "Was ist los, Mark?" fragte nun auch Vivian, indem sie sich an Carlos vorbei in die Kabine drängelte. "Wir waren bei Frühstück, alle zusammen und dann hat uns Bastet auf Weltreise geschickt" Sie sah auf die Uhr: "Das war vor 2 Stunden!"
Mark schrak zusammen. Was war hier los? Wieso konnte er sich nicht daran erinnern? Hilfesuchend blickte er zu Carlos und Vivian.
Carlos nickte verstehend und fragte ihn: "Was ist das letzte an was du dich erinnerst?" Mark dachte angestrengt nach. Aber da war nur ein schwarzes Loch ... Mark stöhnte auf, drückte den Rücken durch und versuchte, sich das Schlafanzugoberteil vom Rücken zu halten.
"Schwarzes Loch ... Schmerzen" stöhnte er auf. Vivian wurde bleich und schwankte zum nächstbesten Stuhl. Carlos riss die Augen auf und half seinem Cousin, das Oberteil auszuziehen. Mitten in der Bewegung hielt er inne. "Beim Himmel!" flüsterte er. "Was ist da, warum tut mein Rücken so weh?" vernahm er von Mark. "Nichts weiter, du wirst dich verlegen haben" murmelte Carlos zurück und deutete Vivian an, mit nach zusehen. Vivian schielte um Carlos herum und schlug die Hand vor den Mund, bevor ihr ein Aufschrei entkam.
Marks Rücken war von roten Striemen gezeichnet, welche immer wieder rot aufleuchteten als würde ein eigener Puls ihnen Leben einhauchen. Sie waren an den Rändern schon fast ins lila verfärbt und immer wenn Mark aufstöhnte, blinkten sie gelblich auf. Es sah fast aus, als würden sie immer wieder von Neuem aufgeheizt.
"Kühlen soll da helfen" stammelte Vivian und stob los, um Kühlakkus zu holen.
Carlos sah ratlos zu Mark. "Komm erst mal duschen Großer" sagte er leise und half Mark beim Aufstehen.
Mark sah sich hilflos um und Carlos zeigte nach rechts "Da lang" führte er Mark in die Richtung von der Nasszelle.
Das Bad war für ein Schiff ziemlich geräumig, es hatte zwar nur ein winziges Bullauge, aber dafür eine mondäne Einrichtung.
Alles war in Marineblau gehalten mit Beige abgesetzt. An den Wänden war mittig eine beige Kachelreihe ringsum, welche eine goldene Krone in der Mitte jeder Kachel hatte. Die Armaturen waren selbstverständlich Gold, selbst die Kloschüssel war vergoldet. Die Dusche war schwarz abgegrenzt und hatte ebenfalls eine dunkle Glasfront. Beim Benutzen wurde diese jedoch milchig, so dass keiner hindurchsehen konnte.
Doch Mark hatte für die Schönheit des Bades kein Auge, er ließ sich erschöpft auf den Hocker fallen, der vor der Dusche stand.
So wird das nichts! Dachte sich Carlos. Er stellte das Wasser auf kalt und hielt einen Waschlappen darunter, bis dieser durchtränkt war. Dann wrang er ihn etwas aus und reichte ihn Mark. "Wasch dir wenigstens dein Gesicht, vielleicht wird es etwas besser."
Mark nickte kaum merklich und nahm Carlos den Waschlappen ab. Plötzlich stand Vivian in der Tür mit den Kühlakkus. Vorsichtig legte Sie den Ersten auf Marks Rücken.
"Ahhh" zischte er verhalten auf. Kurz darauf sah er Vivian dankbar an. "Mmmhhh, viel besser, danke dir, Schwesterherz".
Vivian sah ihm ungläubig ins Gesicht und dann auf Carlos. Sie deutete auf den Rücken und nahm den Kühlakku etwas vom Rücken weg.
Carlos stieß ein Laut der Verblüffung aus. "Hhhöhh?" Der Rücken war wieder völlig normal.
"Mark?" fragte er vorsichtig "Ja?!" erwiderte Mark, der auf einmal den Eindruck machten, als könne er Bäume ausreißen.
Er stand auf, dabei fiel der Akku runter, drehte sich zu den Beiden um und fragte sie: "Warum zum Geier, seid ihr in meinem Bad?"
Die beiden sahen sich verständnislos an, Vivian hob den Kühlakku auf, ging an Carlos vorbei und nuschelte: "Das soll mal einer verstehen".
Carlos, hingegen hob an: "Was ist los mit dir Junge?" Er streckte den Zeigefinger aus und fing an, vor Marks Gesicht damit zu fuchteln, als wäre er seine Großmutter und würde "Dudu" mit ihm machen.
"Wolltest du uns verarschen oder was? Hast‘ dir heimlich Schminke auf den Rücken gemacht und so getan als ob du keine Erinnerung mehr hast? Geht's noch?"
Carlos wurde stinksauer und Mark sah ihn betroffen an.
"Aber ich habe doch nichts gemacht? wieso steht ihr auf einmal in meinem Bad? Ich weiß nicht mal wie ich hergekommen bin?"
Mark kratzte sich am Kopf. Carlos schimpfte weiter, doch er hörte nicht mehr zu und machte eine abwehrende Handbewegung. Er grübelte. Wir waren beim Frühstück, dann hat uns Bastet aufs Schiff geschickt und auf einmal bin ich im Schlafanzug, im Bad?
Während er grübelte, wurde Carlos leise und sah Mark betroffen an. Dieser sah aus, als würde er angestrengt nachdenken. Er fuhr mit den Fingern in der Luft herum, als versuche er damit, den Gedanken eine bestimmte Richtung zu geben. Als er sah das Mark völlig verzweifelt mit dem Zeigefinger von der Suite auf sein Bett, dann ins Bad und anschließend auf seinen Schlafanzug zeigte, wurde ihm bewusst, dass Mark WIRKLICH nicht wusste, wie er in diese Situation kam.
Carlos hielt sich am Türrahmen fest. "Bastet?!" war das Letzte, was er noch hervor bekam, bevor er ohnmächtig wurde.
Die Hüter des Ursprungs III (Preview)
Hinter dem Schleier
Die Ankunft
Vicky stöhnte auf als sie hart auf dem Boden aufkam. Clarissa purzelte neben ihr über die Wiese und kam schnaufend auf die Knie. „Was war das denn jetzt?“ Sie lief langsam zu Vicky und zog sie hoch. Dann sah sie sich suchend um.
„Wo zum Geier hat uns Magissa hingeschickt?“ Vicky klopfte das Kleid ab und schaute sich dabei ebenfalls um. Das war keinesfalls Irland, stellte sie ernüchternd fest und schüttelte langsam den Kopf.
Clarissa stand bebend vor ihr und ihre Hand griff suchend nach hinten, um Vicky zu erfassen. Flüsternd, fast ehrfürchtig wandte sie sich zu Vicky. „Wo sind wir? Das ist nicht Irland! Ist das überhaupt die Erde?“ Vicky zitterte wie Espenlaub und schlang ihre Arme um Clarissas Arm, der eben noch Halt bei ihr suchen wollte. „Iiich weiß nnicht wwoo…oo wir sind…“ stammelte sie.
Langsam rutschte sie an Clarissas Arm herunter und ließ sich auf ihren Allerwertesten fallen. Fast wäre sie wieder hochgeschreckt, denn das eben noch gelbe Gras, was ziemlich verwelkt wirkte, wechselte die Farbe. Nach einem milden Luftzug erstrahlte es in einem schimmernden Lila. Clarissa rieb sich die Augen, war es vielleicht Heide und sie hatten sich getäuscht?
Sie beugte sich zum Gras hinab und fuhr mit der Hand über die Halme. Doch auch jetzt wechselten sie die Farbe von gelb auf Lila, je nachdem wie sie bewegt wurden. Mit einem erschreckten Ausruf wich Clarissa zurück.
„Das ist verrückt! Magissa, was zum Teufel hast du angestellt?“ Vicky stöhnte auf. Sie fuhr sich mit der Hand über die Hüfte. Sie spürte etwas. Als wenn es in ihr lebte. Nein, nicht in ihr… AN ihr. Mit zitternden Händen zog Vicky das Kleid bis zu ihrer Hüfte hoch. Doch an der Stelle, wo das Gefühl saß war nichts. Ein Nachhall, eine Spur Wärme breitete sich jedoch von der Stelle aus, über ihren ganzen Körper.
„Ich glaube Magissa kann nicht dafür. Da ist etwas …“ Vicky lief langsam los und ließ Clarissa einfach stehen. „Was stimmt denn mit dir nicht? Wieso läufst du einfach los?“ Clarissa hatte zu tun mit Vicky Schritt zu halten. Immer schneller wurden deren Schritte, bis sie fast einem leichten Lauf glichen.
„Vicky!“ schrie Clarissa ihr hinterher und Vicky blieb abrupt stehen. Sie drehte sich zu Clarissa um und schaute sie erstaunt an „Wo sind wir hier?“ Clarissa sah sie an als wäre sie ein Alien „WAS?“ schrie sie los. „Bist du jetzt irre oder was?“ Clarissa stampfte wutentbrannt zu Vicky und gab ihr eine saftige Ohrpfeife. „Bist du jetzt wieder munter?“ Vicky rieb sich die Wange und guckte Clarissa ganz verdattert an „Wofür war das denn jetzt?“
„Das fragst du noch“ Clarissa stemmte ihre Hände in die Hüfte und stellte sich breitbeinig vor Vicky auf: „Erst stammelst du rum und klammerst dich wie ein Affe an mich, dann ziehst du dein Kleid bis fast zur Brust und auf einmal rennst du los, wie von der Tarantel gestochen. Und da soll ich ruhig bleiben?“
Vicky bekam große Augen „Was hab ich gemacht?“ dabei fuhr sie sich mit den Händen über die Hüfte. „Oh, da war etwas…“ Sie spürte wieder die Wärme und den Nachhall und wollte gerade wieder loslaufen, als sie Clarissas Hand an ihrem Handgelenk bemerkte. Sie sah hoch und direkt in Clarissas Gesicht. „Na? Wollten wir wieder losstampfen?“
Vicky nickte langsam: „Da ist etwas, ich spüre es …es ruft mich“ Vicky drehte sich langsam wieder um wollte weiter gehen. Doch Clarissa hielt sie eisern fest.
„Vicky! Sei vernünftig, bevor wir blind irgendwo hin rennen, müssen wir herausbekommen wo wir sind. Und vor allem wie wir wieder nach Hause kommen.“ Vicky drehte sich langsam wie in Trance zu Clarissa und nickte leicht. „Jetzt zeig mir mal die Stelle, die du dir vorhin angeschaut hast“ versuchte Clarissa nun, Vicky wieder ins hier und jetzt zu holen.
Vicky schaute Clarissa an als ob sie ihre Worte nicht verstehen würde. Clarissa stöhnte entnervt auf. „Zeigen, die Stelle!“ dabei deutete sie auf ihre Hüfte. Ein Erkennen erhellte Vickys Gesicht und geschäftig begann sie wieder ihr Kleid zu heben.
„Wooah“ stieß Clarissa aus „Seit wann bist du tätowiert?“ Clarissa kam näher „Oder ist das ein Branding?“ erschrocken fuhr sie zurück „Jessas, das bewegt sich?“ Vicky nickte „Ich sagte, es ruft“
Leichenblass sah Clarissa Vicky an „DAS meintest du? Ich dachte irgendwas da draußen“ dabei zeigte sie auf die Landschaft vor ihnen, die noch immer sehr unwirklich wirkte.
Vicky ließ ihr Kleid wieder nach unten fallen und schüttelte zaghaft den Kopf. Ein Knurren verunsicherte Clarissa und sie schaute sich ängstlich um. „Das war ich“ beruhigte sie Vicky. „Ich hab mordsmäßig Hunger“ Sie sah sich suchend um. „Wir wissen ja nicht einmal was wir hier essen können.“ Clarissa sah sie entgeistert an „Scheiße daran hab ich noch gar nicht gedacht, wir brauchen Proviant. Also gut, dein Instinkt war wohl der bessere, hier zu bleiben macht wenig Sinn. Wir brauchen Wasser und Nahrung. O, dann mal los. Immer deiner Nase nach.“
Vicky lächelte sie an und fragte schnippisch „darf ich dir dann jetzt auch eine reinhauen?“ Clarissa bleib erschrocken stehen „Entschuldige, das wollte ich nicht, nein quatsch, ich wusste nicht wie ich dich wieder zur Besinnung kriegen soll“
Vicky lachte los „Schon gut, Alleine dein Gestammel jetzt, ist Wiedergutmachung genug.“ Kichernd begann sie den Weg über die endlos scheinende gelb-lila Wiese. Nachdem sie eine Weile gelaufen waren, bemerkten sie am Horizont eine Veränderung. Der Himmel, der sich vom heimischen nicht unterschied, bekam langsam einen grünlichen Schimmer. Die Silhouette eines Berges oder Waldes erschien in weiter Ferne und die Luft begann anders zu riechen. Seltsame Düfte schwebten in der Luft. Ein Hauch von Minze gepaart mit Räucherduft. Die Luft wirkte schwer und beide schwitzen schon merklich, obwohl ein lauer Wind wehte.
Ihre Schritte wurden schleppender, doch Vicky trieb der nagende Hunger vorwärts und Clarissa die Gewissheit, dass sie hier verenden, wenn sie nicht bald etwas finden würden. Ein Haus, eine Quelle oder einen Brunnen. Irgendetwas.
